
Weil es im norddeutschen Raum um 1900 kein Heim für schulentlassene
katholische Jungen gab, und katholische Jungen in Heimen außerhalb des
Bistums untergebracht werden mussten, gab der Bischof von Osnabrück den
Auftrag, in Börgermoor eine Erziehungsanstalt für katholische männliche
Fürsorgezöglinge zu bauen. Grundlage für diese Entscheidung war ein
Vorläufergesetz zum späteren Jugendwohlfahrtsgesetz, das regelte, dass
Minderjährige in Heimen ihres Bekenntnisses untergebracht werden
sollten. In der Tradition der Landarmen-, Arbeits- und Rettungshäuser
plante man den Bau in einer einsamen Gegend, Der Bau enthielt alle
Neuerungen damaliger Zeit: elektrisches Licht, Dampfheizung und
Wasserleitung.

Am 1.März 1913 wurde die Johannesburg vom Bischof Hubertus Voß
eingeweiht und eröffnet. Erster Direktor wurde Heinrich Ganseforth, der
vorher Vikar in Aschendorf war. Canisianer-Brüder übernahmen die
Jugendarbeit, Franziskanerinnen aus Thuine die Haushaltsführung. Das
Haus konnte ca. 200 Jungen aufnehmen.
Neben der Unterweisung im katholischen Glauben und der Arbeitserziehung
in der Moorkultivierung und der Landwirtschaft sollte den Zöglingen
Gelegenheit für eine Ausbildung in handwerklichen Berufen gegeben
werden.
Am 1.April des Jahres 1914 übertrug der Bischof den
Herz-Jesu-Missionaren aus Hiltrup das Haus probeweise auf 10 Jahre.
Ihnen gelang die Überwindung der pädagogischen und finanziellen
Schwierigkeiten, mit denen Canisianer anfänglich zu kämpfen hatten.
1924 übernahmen sie die Johannesburg endgültig. In der
Hauswirtschaft arbeiteten seit 1916 die Hiltruper Missionsschwestern.

Bis 1929 leitete Pater Esser die Johannesburg als Direktor. Ihm folgte
Pater Peter Petto, der schon von 1914 bis 1925 Assistent auf der
Johannesburg war. Pater Petto gab praktische und theoretische Impulse
zur Neugestaltung der Heimerziehung. Er gilt als Reformator der
katholischen Heimerziehung der damaligen Zeit. So bemühte er sich u.a.
um eine familienhafte Gruppenerziehung in Form von
"Heimgemeinschaften". Abweichend von der damaligen Anstaltsmethode hat
Pater Petto speziell die Entwicklung der Gruppenpädagogik vorangebracht
und stärker die individuelle Eigenart eines jeden Jugendlichen beachtet.

1941 wurde die Johannesburg von der Gestapo beschlagnahmt. Es folgte
die Ausweisung der Patres. Die Ordensbrüder und -schwestern wurden noch
ein Jahr dienstverpflichtet.
Ende 1942 richtete man in den Räumen der Johannesburg ein
Jugendgefängnis ein. Pfingsten 1945 kam Pater Petto wieder in die
Johannesburg. Das Erziehungsheim wurde am 1.Juli 1946 mit 17 Jungen aus
Göttingen wieder eröffnet. Man begann unter großen finanziellen
Schwierigkeiten mit dem Wiederaufbau.
Im Jahre 1952 wurde Pater Güldenberg Direktor der Johannesburg. Er
versuchte, die Tradition von Pater Petto aufzugreifen und den Gedanken
der Heimgemeinschaften entsprechend den Verhältnissen der damaligen
Zeit in einer Form gelenkter Selbstverwaltung zu gestalten. So regelten
die Jungen in einem Heimparlament Dinge des Heimalltages, wie z.b. die
Ordnung im Hause, die Kontrolle beim Ausgang usw.
Seinen Bemühungen um weitergehende Reformen, wie z.B. die
Reduzierung der Gruppengröße, wurden durch die staatlichen Zuschüsse Grenzen
gesetzt.
Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre, setzte im Zuge der
allgemeinen Diskussionen um die Heimerziehung eine weiterreichende Änderung des
Heimalltages ein, die zu kleineren Gruppen führte, zu einer Ausweitung der
beruflichen Bildung und zu einer allmählichen Öffnung des Heimes nach außen. So
wurde von dem damaligen Direktor Pater Kaperschmidt mit der Einführung des kostendeckenden
Pflegesatzes die Torfwirtschaft eingestellt und der Ausbau der Werkstätten,
der unter seinem Vorgänger Pater Maaß schon begonnen hatte, fortgesetzt.
1973 wurde verbunden mit der Herabsetzung des
Volljährigkeitsalters auf 18 Jahre mit der Aufnahme von Schülern begonnen.
Anfang der 80er Jahre wurden unter dem Direktor Alois Hügle
die integrativen Ansätze durch Aufnahme von externen Auszubildenden und die
Bildung von Außenwohngruppen weiterentwickelt. 1980 wurde die erste
Außenwohngruppe in Aschendorf eröffnet.
Die integrative Ausbildung von Jugendlichen im Heim und
Mädchen und Jungen aus der Umgebung durch Öffnung der Werkstätten sowie die
positive Wirkung einer Berufsausbildung und Erprobung verschiedener
sozialpädagogischer Betreuungsformen bei benachteiligten Jugendlichen wurde in
zwei Modellversuchen, in Verbindung mit dem Bundesinstitut für Berufsausbildung
in Berlin, dem Land Niedersachsen und der Universität Münster, untersucht und
wissenschaftlich bestätigt. Die Begleitung und Untersuchung vor Ort führte der
jetzige Direktor Wichard Klein durch.
Nach der bundesweiten Einführung des
Benachteiligtenprogramms wurde 1982 auch die Johannesburg ein Träger dieser
Maßnahme.
In den 90 er Jahren entwickelte sich die Johannesburg zu
einem wichtigen Faktor im Bereich der Ausbildung benachteiligter Jugendlicher
in der Region. Für externe Mädchen und Jungen im Rahmen der Beruflichen Bildung
besteht eine eigenständige sozialpädagogische Begleitung. 1996 wurde die
Johannesburg als „Sonstige Reha-Einrichtung“ anerkannt und ist seitdem ein
regionales Zentrum der beruflichen Rehabiltation junger behinderter Menschen.
In ihrer 90-jährigen Geschichte hat die Johannesburg sich zu
einer Einrichtung entwickelt, in der Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit als ganzheitlicher
Ansatz im Zusammenwirken von Sozialpädagogik sowie schulischer und beruflicher
Bildung praktiziert wird. Dazu beigetragen haben die Integration einer
Berufsbildenden Schule und seit 1973 der Pater-Petto-Schule, die als
Ganztagsschule in Sonderform "V" und "L" Schüler ab der
Klasse 1 mit handlungs- und projektorientierten Werkstattphasen und
fachgebundenen Arbeitsgemeinschaften beschult.